Konzert in Herrieden, Kritik vom März 2013, FLZ

Hervorragendes Chorkonzert in Herrieden


Mit hervorragenden Chordarbietungen eröffnete der gemischte Chor des FSB die diesjährigen Basilikakonzerte in Herrieden

Zur Eröffnung der diesjährigen geistlichen Konzertreihe gastierte „Mixtura Cantorum", das Flaggschiff des Fränkischen Sängerbundes, in der Stiftsbasilika St. Vitus und St. Deokar in Herrieden. Mit der Fülle von mehr als fünfzig hervorragend ausgebildeten Stimmen bereitete der große gemischte Chor den zahlreichen Zuhörern ein außergewöhnliches Fest der A-Cappella-Gesangskultur. Den Geist der Renaissance diszipliniert zur Blüte bringend, dabei die liturgischen Texte mit tief berührender Empathie untermalend, die klassischen Formen der Romantik voll Jubel hervorhebend und mit beeindruckender, klangsensibler Experimentierfreude den vielen, in der Neuzeit angesiedelten geistlichen Werken ihren Reiz gebend, zauberten die Protagonisten andächtige Faszination und oft atemlose Stille in den Raum.

Die harmonische Geschlossenheit des Chores, seine wundervolle Stimmreinheit, saubere Artikulation und rhythmische Modulation, das Hin- und Herschweben zwischen sanftem Piano und kraftvollem Fortissimo verwoben sich zu einzigartigen Hörerlebnissen.

Karl-Heinz Malzer, die souveräne, mit Energie geladene Dirigentenpersönlichkeit, verstand es jederzeit, das hohe gesangliche Potential seines Chores herauszufordern, zu nahezu perfekter Interpretation der Stücke zu motivieren. Seine ausgefeilte Gestik, seine kritisch ermunternde und zugleich liebevolle Mimik und die bis in die letzte Faser dem Chorwerk dienende Körperspannung des dirigierenden Künstlers ließen über die Sängerinnen und Sänger eine Klangpracht entstehen, welche wohl weit über die Region hinaus Ihresgleichen sucht.



In seinen virtuosen Orgelzwischenspielen setzte Tobias Kerscher, der den Chor seit fünfzehn Jahren bei dessen Konzerten begleitet, mehrere bereichernde Kontrapunkte zeitgenössischer Orgelliteratur: Unter anderem mit seiner äußerst sensiblen Ausdeutung von „Pari Intervallo" des estnischen Komponisten Arvo Pärt, einem als klanglichen Nachruf zum Tod eines Freundes gedachtem Werk, bewies der Organist seine Extraklasse. Feierlich getragen, voll Traurigkeit im Grenzbereich zwischen Leben und Sterben schwebend, mit melancholisch monophonem Flötenregister gespielt, ließ Kerscher die Zuhörer in andächtiger Meditation verweilen. Welche der vielen, vom Mixtura Cantorum erstklassig vorgetragenen Kompositionen wären besonders hervorzuheben? War es das Klagelied Davids „When David heard..." zum Tod seines Sohnes Absalom, ein Meisterstück frühbarocker Kirchenmusik des walisischen Komponisten Thomas Tomkins? War es Guiseppe Verdis schlichte Version des Vaterunsers, das in siebenstimmigen, neoromantischen Sphärenklängen dargebotene „Ave Maria-Angelus Domini" des modernen Komponisten Franz Biebl aus der Oberpfalz, oder die temperamentgeladene Bekehrung Sauls, komponiert von dem US-Amerikaner Randall Stroope; vielleicht gefiel auch besonders das Schlussstück „Immortal Bach" des zeitgenössischen norwegischen Nationalkomponisten Knut Nystedt? „Komm süßer Tod, komm führe mich" - Die Bach‘schen Harmonien schienen sich bei Nystedt trotz klanglicher Fülle in immer wiederkehrender Zerrissenheit eines Sterbenden zu verlieren. Symbolträchtig zerstreuten sich einzelne Gesangsgruppen im Kirchenschiff, um sich dann klanglich in der erlösend friedvollen Harmonie der Schöpfung wieder zu vereinen. Leise verklang das Finale in einem unendlich feinen Pianissimo. Verständlich, dass das begeisterte, tief berührte Publikum auf eine Zugabe nicht verzichten wollte. Mit dem "Irischer Reisesegen" fand ein bemerkenswertes Chorkonzert seinen Abschluss.

Volker Schmidt

Quelle: http://www.pfarrverband-herrieden.de/Pfarrverband/basilikakonzert_2013_1.htm

Franz Gleißner - Das Buch

Unser Chorleiter Karl Heinz Malzer forschte jahrelang in allen möglichen bekannten und unbekannten Archiven und verfasste ein Werk über das Leben des Komponisten. Rechtzeitig zum Konzert erscheint nun das Buch über Franz Gleißner, einen der wichtigsten Söhne der Stadt Neustadt a. d. Waldnaab.

Sein Wirkungskreis beginnt in Neustadt a. d. Waldnaab, der Residenzstadt der Lobkowitzer, verlagert sich dann vom Jesuitenkolleg Amberg aus über München, Offenbach und Wien. Seine musikalischen Kompositionen sind europaweit verstreut. Bekannt wurde er nach langem Vergessen erst wieder 1956 mit der Entdeckung eines bis dahin völlig unbekannten Mozart-Verzeichnisses in Offenbach am Main, das er dort als Vorläufer des Köchel-Verzeichnisses verfasst hatte. Inzwischen werden seine Kompositionen, darunter 32 Messen, immer häufiger in Deutschland aufgeführt und auch im Internet wird er immer öfter aufgerufen. Franz Gleißner gilt neben Alois Senefelder als Miterfinder des lithographischen Notendrucks.
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